Einsteiger-Guide für Kreatin: Einnahme, Ladephase & Erhaltungsphase
In letzter Zeit wird viel über Kreatin gesprochen. Neue Forschung hebt dabei Vorteile hervor, die über den reinen Muskelaufbau hinausgehen. Dabei ist Kreatin keineswegs neu – es zählt zu den am besten erforschten Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt. Unzählige Studien belegen seine Wirksamkeit und Sicherheit, vor allem beim Aufbau und Erhalt fettfreier Körpermasse.
Traditionell wird Kreatin vor allem im Kraftsport eingesetzt. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass es auch potenzielle Vorteile für die Gehirngesundheit, die Stimmung sowie für Phasen hormoneller Veränderungen wie die Perimenopause und Menopause haben kann.
Wenn du Kreatin ausprobieren möchtest, aber nicht genau weißt, wo du anfangen sollst, bist du hier richtig. In diesem Einsteiger-Guide erfährst du, wie du startest, welche Dosierung sinnvoll ist, ob eine Ladephase nötig ist und wann du mit ersten Ergebnissen rechnen kannst.
Überblick
- Kreatin ist eine natürlich vorkommende Verbindung, die die zelluläre Energieproduktion unterstützt, und zählt zu den am besten erforschten sowie sichersten Nahrungsergänzungen – auch für Einsteiger.
- Eine tägliche Dosis von 3–5 Gramm reicht für die meisten Menschen aus, um die Kreatinspeicher der Muskeln aufzubauen und zu erhalten – ganz ohne Ladephase.
- Beständigkeit, ausreichend Flüssigkeit und etwas Geduld sind entscheidend: Die meisten Vorteile zeigen sich, sobald die Muskelspeicher mit Kreatin gesättigt sind.
- Neue Forschung deutet darauf hin, dass Kreatin nicht nur Muskelmasse und sportliche Leistung, sondern auch Gehirngesundheit, Stimmung und kognitive Funktionen über die gesamte Lebensspanne hinweg unterstützen kann.
Was ist Kreatin und warum wird es eingenommen?
Kreatin ist eine natürlich vorkommende Verbindung, die in kleinen Mengen in Lebensmitteln wie rotem Fleisch und Fisch enthalten ist. Zusätzlich wird es im Körper selbst in Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse gebildet. Gespeichert wird Kreatin hauptsächlich in der Muskulatur. Dort spielt es eine zentrale Rolle bei der Bildung von Adenosintriphosphat (ATP) – dem Molekül, das deine Zellen für schnelle Energieschübe benötigen.
Bei Menschen mit einer ausgewogenen Ernährung sind die Kreatinspeicher der Muskeln in der Regel zu etwa 60–80 % gefüllt.
Einfach gesagt: Kreatin hilft deinen Muskeln, Energie effizienter bereitzustellen. Es unterstützt die ATP-Bildung, kann die Laktatbildung während intensiver Belastung reduzieren und die Glykogenspeicherung in der Skelettmuskulatur verbessern. Zahlreiche Studien zeigen, dass Kreatin die Leistungsfähigkeit bei kurzzeitigen, hochintensiven Belastungen steigern und die Regeneration fördern kann. Deshalb ist es besonders im Krafttraining, bei Sprints und anderen intensiven Sportarten beliebt.
Menschen nehmen Kreatin aus verschiedenen Gründen ein, zum Beispiel um:
- Kraft und Leistungsfähigkeit im Training zu unterstützen
- den Muskelaufbau langfristig zu fördern
- sportliche Leistung und Regeneration zu verbessern
- die kognitive Leistung und zelluläre Energie zu unterstützen – ein Bereich, der aktuell intensiv erforscht wird
Aus meiner Sicht als Arzt für traditionelle Medizin ist Kreatin ein moderner Verbündeter für etwas, das in der östlichen Medizin schon lange betont wird: die Pflege einer starken, widerstandsfähigen Zellenergie – oder, bildlich gesprochen, eines stabilen grundlegenden „Qi“ auf Zellebene. Wenn deine Zellen effizient Energie produzieren können, wirkt sich das auf vieles aus – von körperlicher Leistungsfähigkeit bis hin zu mentaler Klarheit.
Ist Kreatin für Einsteiger sicher?
Ja. Umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Kreatin für die meisten gesunden Erwachsenen sicher ist. Die einzige durchgehend beobachtete Nebenwirkung ist eine Gewichtszunahme. Diese entsteht vor allem durch eine anfängliche Wassereinlagerung (Kreatin zieht Wasser in die Muskeln) sowie durch zunehmende Muskelmasse bei längerer Einnahme.
Wichtig ist jedoch: Sicherheit hängt immer vom Gesamtkontext ab. Kreatin ist hervorragend erforscht, wirkt aber am besten in Kombination mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, einer guten Mineralstoffversorgung und einer ausgewogenen Ernährung, die Nieren und Leber unterstützt. Sieh Kreatin als ein Hilfsmittel, das die positiven Effekte deiner bestehenden Gewohnheiten verstärken kann.
So startest du mit Kreatin
Wenn du neu mit Kreatin beginnst, fragst du dich vielleicht: Wie fange ich an? Welche Dosis ist richtig für mich? Brauche ich eine Ladephase? Wann sehe ich Ergebnisse? Wie bei jedem neuen Nahrungsergänzungsmittel ist es sinnvoll, moderat zu starten und zu beobachten, wie dein Körper reagiert.
Für Einsteiger ist ein ausgewogener Ansatz ideal: Nimm täglich 3–5 Gramm Kreatin über einen Zeitraum von etwa vier Wochen ein. Die Kreatinspeicher deiner Muskeln füllen sich nach und nach, sodass du nach ungefähr einem Monat regelmäßiger Einnahme erste Effekte bemerken kannst. Sobald deine Muskelspeicher gesättigt sind und du Ergebnisse wahrnimmst, bleibst du einfach bei einer täglichen Erhaltungsdosis von 3–5 Gramm.
Es gibt verschiedene Kreatinformen auf dem Markt, doch Kreatinmonohydrat ist die am besten untersuchte Variante. Du findest es als Pulver, Gummibärchen oder Kapseln. Alle Formen sind grundsätzlich wirksam, allerdings ist Pulver meist die kostengünstigste Option.
Mit Pulver kannst du die Dosierung genau anpassen und es einfach in Wasser, Saft oder einen Smoothie mischen. Gummibärchen sind praktisch für alle, die Geschmack oder Konsistenz von Pulver nicht mögen – allerdings braucht man oft mehrere Portionen, um auf die empfohlene Menge zu kommen. Kapseln sind ebenfalls bequem, aber meist teurer, da mehrere Kapseln nötig sind, um die richtige Dosis zu erreichen.
Da sich die Kreatinspeicher im Körper über die Zeit aufbauen, ist der genaue Einnahmezeitpunkt weniger entscheidend. Wichtiger ist die tägliche, regelmäßige Einnahme. Die Aufnahme kann etwas verbessert werden, wenn du Kreatin zusammen mit Kohlenhydraten oder einer Kombination aus Kohlenhydraten und Eiweiß einnimmst.
Weil Kreatin Wasser in die Muskeln zieht, solltest du während der Einnahme besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
Ich empfehle, Extreme zu vermeiden und stattdessen auf Beständigkeit zu setzen. Ein einfaches tägliches Ritual – zum Beispiel Kreatin in dein morgendliches Wasser, in einen Smoothie oder in dein Getränk nach dem Training zu mischen – passt viel besser zu einer langfristigen Wellness-Routine als zu einem kurzfristigen Leistungsziel.
Kreatinladung vs. Erhaltungsphase: Muss man als Anfänger laden?
Vielleicht hast du schon von der „Ladephase“ und der „Erhaltungsphase“ bei Kreatin gehört. Lange galt die Empfehlung, zu Beginn täglich hohe Dosen über 5–7 Tage einzunehmen, um die Muskelspeicher schneller zu sättigen und so schneller Ergebnisse zu sehen. Das nennt man Kreatinaufladung. Ja, die Muskeln füllen sich dadurch schneller, aber eine Ladephase ist nicht notwendig. Sie kann sogar das Risiko von Verdauungsproblemen erhöhen.
Die internationale Empfehlung der International Society of Sports Nutrition lautet:
- Ladephase: 5–7 Tage lang 4× täglich 5 g Kreatinmonohydrat (oder ca. 0,3 g pro kg Körpergewicht), um die Muskelspeicher zu füllen.
- Danach: Erhaltungsdosis von 3–5 g täglich (größere Personen brauchen ggf. etwas mehr), um die Muskelspeicher aufzufüllen und Ergebnisse zu erhalten.1
Wenn Anfänger mit der Erhaltungsphase beginnen, ist die Gefahr von Verdauungsstörungen geringer und eine mögliche Gewichtszunahme kann minimiert werden. Zur Aufrechterhaltung nimmt man 3 bis 5 Gramm Kreatinmonohydrat für 28 Tage ein, um eine Sättigung der Muskeln zu erreichen, und setzt dann die Einnahme von 3 bis 5 Gramm fort, so lange man Ergebnisse sehen möchte.1
Vorteile der Ladephase für Anfänger
- Schnellere Sättigung der Kreatinspeicher in den Muskeln
- Schnellere erste Ergebnisse
Nachteile der Ladephase für Anfänger
- Höheres Risiko für Verdauungsprobleme
- Kompliziertere Anfangsroutine
- Schnellere anfängliche Gewichtszunahme
- Für langfristige Ergebnisse nicht notwendig
Aus Sicht der Langlebigkeit und hormonellen Gesundheit empfehle ich Einsteigern – besonders Frauen – eher sanfte, gleichmäßige Supplementierung. Sie belastet Verdauung und Flüssigkeitshaushalt weniger und unterstützt das Nervensystem optimal.
Häufige Anfängerfehler bei der Einnahme von Kreatin
Zu den häufigsten Fehlern, die Menschen machen, wenn sie mit Kreatin beginnen, gehören:
- Inkonsistenz: Ergebnisse zeigen sich nur, wenn die Muskelspeicher gefüllt sind. Ausgelassene Tage bremsen den Effekt.
- Zu schnelle Erwartungen: Der Aufbau der Kreatinspeicher in den Muskeln braucht Zeit. Selbst bei Ladephase dauert es etwa eine Woche, bis erste Effekte sichtbar sind. Mit moderater Dosierung dauert es rund einen Monat.
- Zu viel über den Zeitpunkt nachdenken: Kreatin kann mit Kohlenhydraten oder Proteinen etwas besser gespeichert werden, aber es gibt keinen „optimalen“ Tageszeitpunkt. Der beste Zeitpunkt für die Einnahme von Kreatinpräparaten ist, wenn du dran denkst!
- Zu früh aufhören: Geduld ist wichtig. Vorzeitiges Absetzen verhindert die vollständige Sättigung und reduziert die Wirkung.
Welche Ergebnisse sollten Anfänger erwarten? (Und wann)?
Kreatin ist eines der sichersten und effektivsten Supplemente für Sportler, aber die Vorteile gehen darüber hinaus. Auch Gehirn, Stimmung und kognitive Funktionen können profitieren – besonders im Alter oder nach Gehirnerschütterungen.
Nach der Sättigung der Muskelspeicher können Anfänger erwarten:1,3-5
- Mehr Kraft
- Mehr Muskelmasse (bei gleichzeitigem Krafttraining)
- Verbesserte aerobe Ausdauer
- Schnellere Erholung nach intensiven Workouts
- Bessere Hitzetoleranz beim Sport
- Unterstützung bei Verletzungsrehabilitation
- Verbesserte kognitive Leistung und Gedächtnis bei älteren Menschen
- Reduzierter „Brain Fog“ während der Perimenopause
- Unterstützung der psychischen Gesundheit
- Bessere Regeneration nach Gehirnerschütterungen oder traumatischen Hirnverletzungen
Menschen profitieren unterschiedlich stark. Wer wenig Kreatin über die Ernährung bekommt – z. B. Vegetarier oder Veganer – hat oft den größten Effekt, da die Muskelspeicher anfänglich niedriger sind.
Die Ergebnisse, die du mit Kreatin erzielst, hängen davon ab, wann deine Muskelspeicher vollständig gesättigt sind. Bei Menschen mit abwechslungsreicher Ernährung liegen die Kreatinspeicher in der Muskulatur ohne Supplementierung im Durchschnitt bei etwa 60–80 %. Wenn du mit einer Ladephase von 20 g täglich über 5–7 Tage startest, kannst du nach ungefähr einer Woche erste Ergebnisse sehen. Mit einem moderateren Ansatz von 3–5 g täglich dauert es etwa einen Monat, bis sich erste Effekte zeigen.
Was mich an Kreatin besonders fasziniert, sind nicht nur die größeren Muskeln, sondern auch die neuen Erkenntnisse über Gehirngesundheit, Stimmung und hormonelle Veränderungen. Gerade in der Perimenopause und in den Wechseljahren, wenn Frauen oft unter Müdigkeit, Gehirnnebel und verminderter Erholungsfähigkeit leiden, kann Kreatin ein überraschend hilfreicher Verbündeter sein.
Denk daran: Kreatin baut nicht automatisch Muskeln auf. Es liefert deinen Muskeln lediglich die Energie, die sie brauchen, um beim Training Leistung zu bringen. Um Muskelzuwächse zu erzielen, musst du die Einnahme von Kreatin mit konsequentem Krafttraining kombinieren.
Kreatin für Einsteiger: Sicherer und effektiver Einstieg
Kreatin hat sich seinen Ruf als eines der wirksamsten und am besten erforschten Supplemente verdient – nicht nur für Kraft- und Muskelaufbau, sondern auch für mehr Energie, schnellere Erholung und sogar für neue Bereiche wie Gehirngesundheit und hormonelle Veränderungen.
Für Einsteiger ist das Wichtigste: Kreatin muss nicht kompliziert sein, um zu wirken. Eine regelmäßige tägliche Dosis, ausreichend Flüssigkeit und Geduld sind deutlich effektiver als perfektes Timing oder aggressive Ladephasen.
Egal, ob dein Ziel ist, die Trainingsleistung zu steigern, deine kognitive Gesundheit zu unterstützen oder deine Muskeln im Alter zu erhalten – Kreatin kann eine wertvolle Ergänzung zu deiner ausgewogenen Wellness-Routine sein. Fang niedrig an, bleib konsequent und hab Geduld. In Kombination mit regelmäßigem Training, ausgewogener Ernährung und ausreichend Erholung unterstützt Kreatin deine Kraft und Widerstandsfähigkeit weit über das Fitnessstudio hinaus.
Quellenangaben:
- Kreider RB, Kalman DS, Antonio J, et al. International Society of Sports Nutrition position stand: safety and efficacy of creatine supplementation in exercise, sport, and medicine. J Int Soc Sports Nutr. 2017;14(1).
- Dietary Supplements for Exercise and Athletic Performance - Health Professional Fact Sheet. Accessed January 20, 2026.
- Wax B, Kerksick CM, Jagim AR, Mayo JJ, Lyons BC, Kreider RB. Creatine for Exercise and Sports Performance, with Recovery Considerations for Healthy Populations. Nutrients. 2021;13(6).
- Smith-Ryan AE, DelBiondo GM, Brown AF, Kleiner SM, Tran NT, Ellery SJ. Creatine in women’s health: bridging the gap from menstruation through pregnancy to menopause. J Int Soc Sports Nutr. 2025;22(1).
- Forbes SC, Cordingley DM, Cornish SM, et al. Effects of Creatine Supplementation on Brain Function and Health. Nutrients. 2022;14(5).
HAFTUNGSAUSSCHLUSS:Dieses GESUNDHEITSPORTAL soll keinen medizinischen Rat darstellen...